Rückblick auf die DLR Tagung für neue Fahrzeug- und Werkstoffkonzepte 2021

Wie kann der Wandel der Automobilindustrie hin zu grünen, CO2-neutralen Produkten und Herstellverfahren gelingen? Diese herausfordernde Frage stand im Mittelpunkt der Fachtagung WerkstoffPlus Auto 2021. Zum elften Mal wurde sie vom Institut für Fahrzeugkonzepte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart veranstaltet. Experten aus Industrie und Forschung tauschten sich am 24. und 25. Februar 2021 über zukunftsweisende Technologien und Lösungen für die Mobilität von morgen aus. Die Themen reichten dabei von zukunftsweisenden Konzepten für Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge über Nachhaltigkeit und Digitalisierung bis hin zu innovativen Werkstoffen und Leichtbau. Aufgrund der Covid-19-Situation musste die WerkstoffPlus Auto 2021 virtuell stattfinden. Mit mehr als 300 Teilnehmenden konnte die WerkstoffPlus Auto ihre Reichweite weiter steigern und dabei die Relevanz dieser Austauschplattform deutlich unterstreichen.

Fachtagung WerkstoffPlus Auto, Credit: © DLR. Alle Rechte vorbehalten

WerkstoffPlus Auto zeigt große Potenziale für Innovation und Wertschöpfung

Die Teilnehmer konnten sich durch qualitativ hochwertige Vorträge und Keynotes einen umfassenden Überblick über aktuelle Trends und Innovationen aus Industrie und Forschung verschaffen. Beispielsweise berichtete Dr. Thomas Behr in seiner Keynote darüber, wie es der Mercedes-Benz AG gelingt, in unterschiedlichen Stückzahlsegmenten den nachhaltigen Einsatz von Karosseriewerkstoffen zu adressieren und dabei das Strukturgewicht trotz mindestens gleichbleibender Performance zu reduzieren. Als internationaler Gastredner sprach Anil Sachdev, General Motors, über das hervorragende Leichtbaupotential von Magnesiumbauteilen und über neue Anwendungsfelder, welche durch neue Legierungen und Prozessinnovationen erschlossen werden konnten. Dr. Josef R. Wünsch, BASF SE, gab in seiner Keynote interessante Einblicke über veränderte Werkstoffanforderungen und -lösungen, die sich für Komponenten im Bereich des Wasserstoff- und Elektroantriebs ergeben. Prof. Johann Tomforde, Teamobility, rundete das Programm mit einer kritischen Hinterfragung aktueller konzeptioneller Stoßrichtungen ab und regte damit viele zum Nachdenken an, als er beispielsweise darauf hinwies, wie ungünstig das Verhältnis von Außendimensionen, also Verkehrsfläche, und dem nutzbaren Innenraum bei heutigen Fahrzeugen ist.

Wesentliches Markenzeichen der WerkstoffPlus Auto ist die Auswahl, Bandbreite und die gute Qualität der fachlichen Vorträge. Neben den erwähnten Keynotes gab es wertvolle Beiträge zu neuen Werkstoffentwicklungen und -Anwendungen, zur Verbesserung von Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz, zum KI-Einsatz in der Werkstoffentwicklung und zu neuen Fahrzeugkonzepten und generellen Trends in der Automobilindustrie.

In themenspezifischen Workshops konnten sich Experten über zukunftsweisende Fahrzeugkonzepte, Technologien für die Wasserstoffwirtschaft und über Digitalisierung in der Werkstofftechnik informieren und austauschen.

„Wir diskutieren dabei auch die Herausforderungen und Chancen für Deutschland in der aktuellen Transformation der Automobilwirtschaft. Wo liegen künftige Wertschöpfungsketten? Welche Rolle spielt zukünftig noch das „German Engineering“? Potentiale für die heimische Wirtschaft liegen beispielsweise bei Wasserstofftechnologien, neuen Fahrzeugkonzepten für die Mobilität der Zukunft und in jedem Fall in nachhaltigen oder gar CO2-neutralen Werkstofflösungen“,

beschreibt Dr. Elmar Beeh, Leiter der Abteilung Werkstoff- und Verfahrensanwendungen Gesamtfahrzeug des DLRs und wissenschaftlicher Leiter der Tagung.

U-Shift: Ein Fahrzeugkonzept für unsere städtische Mobilität von Morgen

Mit dem modularen Fahrzeugkonzept U-Shift präsentierte das DLR ein innovatives Konzept für die nachhaltige urbane Mobilität und Logistik. „Die vom Fahrzeug getrennten Aufbauten ermöglichen neue Funktionen und Bauweisen. So können in der Produktion zahlreiche Fertigungsprozesse parallel ablaufen. Für den Nutzer bringt das U-Shift-Konzept neue Geschäftsmodelle mit sich, für die Automobilwirtschaft ist es ein wichtiger Baustein in der Wertschöpfungskette“, erläutert Prof. Dr. Tjark Siefkes, Institutsdirektor des DLR-instituts für Fahrzeugkonzepte. „Mit dem U-Shift denken und betreten wir systemisches Neuland, von der Werkstofftechnik bis zu neuen Fahrzeugkonzepten für die Mobilität.“

Dank und Verabschiedung von Prof. Horst E. Friedrich, dem Urvater der WerkstoffPlus Auto

Leider in völlig anderem Rahmen als angemessen, durften die Organisatoren und Programmbeiräte ihre Anerkennung und ihren Dank an Prof. Horst E. Friedrich, dem Urvater und langjährigem wissenschaftlichen Leiter dieser Veranstaltung übermitteln. Mit seiner in der Branche weithin anerkannten Fachkunde und seinem hohen Anspruch an inhaltliche sowie organisatorische Qualität hat Horst Friedrich diese Veranstaltung geprägt und ein Aushängeschild im Bereich niveauvoller und nutzbringender Fachtagungen geschaffen. Dafür dankte das gesamte Organisationsteam mit der Übergabe eines Präsents in Form eines Modells eines Bugatti T57 SC Atlantic – ein Fahrzeug welches auch dem Engagement von Horst Friedrich für den Leichtbauwerkstoff Magnesium Rechnung trägt. Verbunden mit den Grußworten unterschiedlicher Wegbegleiter, wie z.B. Dr. Schauerte, Volkswagen und Ken White, IMA, war auch der Wunsch, diesen Abschied aus der Tagungsleitung nochmals im Rahmen einer adäquateren Veranstaltung in Präsenz zu begehen.

Horst Friedrich übergab die Leitung der Tagung an Prof. Tjark Siefkes, seinem Nachfolger in der Leitung des DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte und wird sich erfreulicher Weise weiterhin beratend im Programmbeirat der Tagung einbringen.

Planungen für 2022

Mit einem einzigartigen fachlichen Profil bildet die WerkstoffPlus Auto auch zukünftig die Schnittstelle zwischen Fahrzeugkonzept- und Fahrzeugstrukturentwicklern. „Auch in den aktuell noch dominierenden Homeoffice-Zeiten, bieten wir eine professionelle Plattform für den intensiven fachlichen Austausch, planen jedoch für 2022 unsere Tagung auch wieder mit Präsenzteil. Ich freue mich außerordentlich auf Beiträge unserer Vortragenden und Aussteller“, betont Prof. Tjark Siefkes.

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